DER NOTRUF KOMMT, WIR FLIEGEN LOS

Auf den Inseln des Westpazifiks bringt die Pacific Mission Aviation (PMA) Menschen, Hilfsgüter und Hoffnung an Orte, die sonst kaum erreichbar wären. Gleichzeitig investiert PMA in Ausbildung, Gemeindegründung und Kinder, die von ihren Familien verstossen wurden. Wie vielfältig Flugmission im Pazifik aussehen kann – und was sie verbindet.

Als Amos Collins seine Ausbildung in der Missionsfliegerei begann, dachte er an kleine einmotorige Flugzeuge über den Dschungeln Afrikas oder Papua-Neuguineas. Doch Gott hatte andere Pläne. Heute ist Collins Chefpilot der Pacific Mission Aviation (PMA) auf Yap, einer Insel im Westpazifik. Zum über 1000 Kilometer grossen Inselgebiet von Mikronesien gehören mehr als 20 Inseln und Atolle. Statt Buschpisten anzusteuern, fliegt Collins heute über den Pazifik.

«Fünfzehn Jahre lang flog ich ein betagtes, kleines Missionsflugzeug – durch Gewitter, auf schmalen, regennassen Graspisten und manchmal blieb ich tagelang auf abgelegenen Inseln gestrandet, bis eine Reparatur den Heimflug ermöglichte», erzählt er.

 

 

Ein Notruf und die Action geht los: der Patient wird schnell und sicher zur weiteren Behandlung geflogen.

Minutiös geplante Flüge

Heute ist er mit einem leistungsstärkeren Turboprop-Flugzeug unterwegs. «Über offenem Meer, mit kaum Ausweichplätzen und wenigen Navigationshilfen, gehört jeder Flug zu den anspruchsvollsten Aufgaben, die ein Pilot übernehmen kann. Zweimal musste ich bereits ein Triebwerk abschalten und mich ganz auf mein Training verlassen, um sicher zu landen.» Die grösste Herausforderung liege heute jedoch nicht mehr auf abgelegenen Inseln, sondern an internationalen Drehkreuzen wie Guam oder Manila. «Das ist eine völlig andere Welt als unser ruhiger Inselbetrieb.»

Doch am meisten in Erinnerung bleiben nicht die schwierigsten Flüge, sondern jene Einsätze, bei denen jede Minute zählt. Erst kürzlich brachte PMA eine Touristin nach einem Herzinfarkt von Palau ins St. Luke‘s Hospital nach Manila. Während des mehrstündigen Flugs wurde sie auf einer Trage von einem Arzt begleitet. Solche medizinischen Evakuierungen gehören zum Alltag der PMA. Neben fliegerischem Können verlangen sie eine minutiöse Planung – von Einreisebewilligungen über Zollformalitäten bis zum bereitstehenden Rettungswagen am Zielort.

Solche Notrufe erreichen das Team oft mitten im dicht getakteten Flugbetrieb, wenn die Maschinen bereits vollständig ausgelastet sind. Trotzdem gilt: Wenn Menschenleben auf dem Spiel stehen, hat ein Rettungsflug Priorität.

Über den Pazifik zu fliegen ist selbst für erfahrene Piloten anspruchsvoll. Es gibt über weite Strecken keine Ausweichlandemöglichkeiten. Navigation, Wetter sowie Treibstoffmanagement erfordern höchste Präzision beim Fliegen. Oft erstreckt sich die Fluglandebahn über die ganze Insel und erfordert extremstes Können, sie anzufliegen.

Nachhaltige Ausbildung für Yap-Bevölkerung

PMA investiert nicht nur in Rettungsflüge, sondern auch in die Zukunft der Inselbevölkerung. Nach über 50 Jahren darf die Organisation erstmals Land auf Yap erwerben. Geplant ist ein Ausbildungszentrum mit Wohnmöglichkeiten für junge Menschen von den Ausseninseln sowie eine Kurzbibelschule.

Ziel ist es, einheimische Christinnen und Christen auszubilden und sie als Missionare zu ihrer eigenen Bevölkerung zurückzusenden – kultursensibel, glaubwürdig und nachhaltig.

 

Hoffnung für einen verstossenen Säugling

Wie tief kulturelle Prägungen das Leben bestimmen, zeigt sich nicht nur in der Luft, sondern auch in den Begegnungen am Boden. Ein Beispiel dafür ist das PMA-Waisenheim Bahay Kalinga auf den Philippinen.

Eines Abends brachte das Sozialamt einen erst 18 Tage alten Säugling dorthin. Sie nannten ihn Felix. Er wurde im Tadyawan-Mangyan-Stamm geboren. Dort gilt ein Baby, das mit der Nabelschnur um den Hals zur Welt kommt, als Unheilsbringer. Aus Angst und unter dem Druck ihrer Gemeinschaft entschieden sich seine Eltern, ihn zur Adoption freizugeben.

Verstossen von seinen Eltern fand Felix in Bahay Kalinga Sicherheit, Fürsorge und Zuneigung. Wo Angst und Aberglaube herrschen, schafft Gott neue Perspektiven – durch Menschen, die seinem Ruf folgen. Sein Leben erinnert an Psalm 27,10: «Wenn Vater und Mutter mich verlassen, nimmt der Herr mich auf.» Sein Lächeln, wenn er vertraute Stimmen hört, und sein Griff nach der Hand seiner Pflegerin erzählen leise von Hoffnung und Wiederherstellung.

Eine Mission mit weitem Horizont

Von anspruchsvollen Flügen über den Pazifik bis zur Fürsorge für verstossene Kinder – die Arbeit der PMA ist so vielfältig wie die Menschen, denen sie begegnet.

«Wenn ich heute sehe, was unsere kleine Missionsorganisation leisten darf, dann staune ich», sagt Amos Collins. «Wir landen auf abgelegenen Pisten, transportieren Kranke, Gesunde und Hilfsgüter, werfen Versorgungs­güter über Inseln ohne Landebahn ab und fliegen anschliessend vier Stunden zu einem medizinischen Notfall.» Sein Horizont sei grösser geworden, sagt Collins. «Und mit ihm unser Vertrauen.»

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PMA Pacific Mission Aviation

 

 

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