Wo Kinder gesehen, gefördert und geliebt werden, wächst Hoffnung – selbst dort, wo Armut, Gewalt und Aussichtslosigkeit zum Alltag gehören. Recanto Esperança ist seit 21 Jahren ein Ort, an dem neue Perspektiven entstehen und junge Leben nachhaltig Wertschätzung erleben. Tag für Tag.
2003 zogen Thomas und Erika mit ihren drei Kindern Nathanael, Rebekka und Timon an den Stadtrand von Curitiba, um dort Familien im Armenviertel direkt zu helfen. Ein Jahr später
gründeten sie Recanto Esperança – für die Kinder, aber auch, um den zerrütteten und orientierungslosen Familien eine Hilfe sein zu können.
Mit viel Wärme, Geduld und Lebensfreude geben sie Hoffnung weiter – und dürfen erleben, wie daraus Neues und Gutes wächst. Dass nun die ersten Kinder als Erwachsene im Recanto mitarbeiten, freut sie sehr.
Die Realität der Kinder
«Ich wohne im Müll – ich bin Müll.» Dieser erschütternde Satz spiegelt die Lebensrealität vieler Kinder in der Favela (Elendsviertel in Brasilien) wider. Frühzeitiger Schulabbruch, verschiedene Formen von Missbrauch und Vernachlässigung sowie eine beträchtliche Anzahl in Armut lebender Kinder und Teenager sind Zeichen der sozialen Benachteiligung, von der das Armenviertel geprägt ist. Während der schulfreien Zeit verwahrlosen die Kinder zuhause vor elektronischen Geräten oder auf der Strasse.
Viele Kinder wurden von einem oder beiden Elternteilen zurückgelassen und erleben von anderen Familienmitgliedern starke Zurückweisung, Erniedrigung und Gewalt. Einige Eltern sind im Gefängnis, tragen eine elektronische Fussfessel, konsumieren Drogen, sind arbeitslos oder arbeiten so viel, dass die Kinder allein zuhause sind.
Das Aufwachsen inmitten von Müll und Verwahrlosung führt zu einem niedrigen Selbstwert. Das wiederholte Erleben von Gewalt führt zum Selbstkonzept, dumm zu sein, nichts zu können und es nie zu etwas zu bringen. Denn genau das wird ihnen immer wieder gesagt und vorgelebt. Die Kinder erfahren weder Würde noch Liebe oder Fürsorge.
Um Hoffnung in diese Perspektivlosigkeit zu bringen, möchten wir den Armutszyklus durchbrechen und den Kindern verinnerlichen, dass sie lernfähig sind, sich entwickeln
können, wertvoll sind und dass sie Talente, Bedeutung, Möglichkeiten und Verantwortung haben.
Raum für ganzheitliche Entwicklung
Im September 2024 feierten wir einen Meilenstein in der Geschichte unseres Kinderzentrums Recanto Esperança. 20 Jahre war es her, dass wir eine Holzbaracke erstanden und unser Herzensprojekt im Armenviertel Icaraí am Stadtrand von Curitiba gestartet haben. Was in einem alten Schuppen mit der Betreuung von 12 Kindern an drei Tagen pro Woche begann,
hat Gott zu einer «Hoffnungsecke» für mittlerweile 90 Kinder täglich wachsen lassen.
Der «Clubinho» ist unser Betreuungs- und Förderprogramm für Kinder und Teenager im Alter von 6 bis 17 Jahren. In Zusammenarbeit mit dem Sozialamt der Stadt Curitiba verfolgen wir dabei mehrere Ziele: Wir möchten den Kindern und Jugendlichen ein sicheres Umfeld bieten, in dem sie Wertschätzung erfahren. Gleichzeitig fördern wir die Entwicklung eines gesunden Zugehörigkeitsgefühls und einer stabilen Identität. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Stärkung sozialer Verhaltensweisen sowie der Prävention von Missbrauch.
Die Vision von Recanto Esperança lautet: «Wir sind überzeugt, dass Wertschätzung und ganzheitliche Bildung bedürftige Menschen nachhaltig verändern kann.»
Im Recanto erleben Kinder und Teenager ein geschütztes Umfeld, in dem sie sich ganzheitlich entwickeln können. Ganzheitlich heisst: auf geistlicher, kognitiver, sozio-emotionaler
und körperlicher Ebene. Sie erhalten die Chance, ausserhalb des Schulunterrichts ihre Talente und Persönlichkeit zu entfalten. Die Aktivitäten sind auf die verschiedenen Altersgruppen abgestimmt und werden von unserem Betreuerteam begleitet.
Vom Kind zur Inspiration für andere
Mit grosser Freude stellten wir vor 5 Jahren unseren ersten internen Nachwuchs an. Alexsandro, der MVP (Most Valuable Player) der Brasilianischen Unihockeynati, war als Teenie bei der Gründung unserer Unihockeymannschaft Hockstar dabei. Aufgewachsen ist Alexsandro im Armenviertel als Ältester von sechs Kindern in äusserst schwierigen Familienverhältnissen. Die wichtigste Bezugsperson der Kinder war die Grossmutter. Als sein männliches Vorbild nennt Alexsandro bis heute Thomas, dessen Konstanz und festes Fundament im Glauben sein Leben bedeutend prägten.
In den letzten Jahren entwickelte sich Alexsandro vom Gruppenleiter zum Sportlehrer weiter, steht nun fest im Glauben und schliesst nächstes Jahr sein Studium als Sportpädagoge ab. Man merkt, dass sein Wort und seine Meinung bei unseren Recantokindern besonderes Gewicht haben, denn sie identifizieren sich mit ihm.
Im Jahr 2024 erhielt unser Team erneut internen Zuwachs: Amanda, Alexsandros Ehefrau, die als Kind selbst sechs Jahre im Recanto verbrachte und ebenfalls Teil unseres Unihockeyteams ist, stellten wir als Gruppenleiterin des «Clubinho 1» an. Ja, damit erfüllt sich für uns ein Traum sowie unsere Vision: Wir erleben, wie die erste Generation als Erwachsene in unser Projekt zurückkehrt! Das bewegt uns sehr.

Bleikers wollen den Kindern verinnerlichen, dass sie lernfähig sind und sich entwickeln können.
Wie geht es weiter? Betet mit uns!
Nach über 30 Jahren Einsatz in Brasilien neigt sich unsere Zeit hier langsam dem Ende zu. Mit der Pensionierung von Erika im Jahr 2029 planen wir die Rückkehr in die Schweiz. Wir vertrauen auf eine geeignete Nachfolge und beten, dass Gott die Türen für die Weiterführung des Recantos öffnen wird. Bete mit uns, dass die Arbeit dieses Werks über unsere Pensionierung hinaus weitergehen darf.
Würdest du gerne das Recanto Esperança bei einem Kurz- oder Langzeiteinsatz kennenlernen?
Du bist bei uns in Curitiba herzlich willkommen!
#SMG, Projekt 115102 - Recanto Esperanca, general