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Nach Zwischenlandung Tschad nun in Madagaskar

Mittwoch 12. Mai 2010 11:59Alter: 116 days

Seit mehr als einem Jahr leben wir nun als MAF-Piloten-Familie in Madagaskar, nachdem wir vier Jahre lang im Tschad für MAF (Mission Aviation Fellowship) im Einsatz waren.

Patrick beim Einsteigen

Landepiste im Tschad

madagasische Kinder

Patrick und Olivia Keller mit Nashya und Benaja

Tschad erlebten wir als ein anspruchsvolles Land wegen dem heissen Klima, der z.T. aggressiven Mentalität der Leute und der politischen Instabilität. Dennoch fühlten wir uns in dieser Zeit am richtigen Ort, da wir den Missionaren durch unsere Flüge einen wertvollen Dienst erweisen konnten. Nach unserer ersten Einsatzzeit für MAF fühlten wir uns aber recht müde und ausgelaugt, da das MAF-Programm zeitweise auf nur eine oder zwei internationale Familien schrumpfte (ohne eigentlichen Programm-Manager) und zusätzlich zu anderen Belastungen es dann noch drei Evakuationen in vier Jahren gab! Somit war es perfektes Timing von Gott, dass in jener Zeit MAF-Madagaskar gerade einen erfahrenen Piloten suchte. MAF offerierte uns diese Stelle, welche wir nach vielen Gesprächen und Gebet auch gerne annahmen. Patrick freute sich auf viele neue Flugerfahrungen in diesem flugtechnisch anspruchsvolleren Land. Doch es kam etwas anders als geplant: Kaum waren wir im Land, kam es zu einer bis heute andauernden politischen Krise mit Putsch des damaligen Präsidenten. Seit einem Jahr besteht nun eine unrechtsmässige Regierung mit Unterdrückung eines Mehrparteiensystems. Eine Folge dieser Krise war, dass viele Investoren (NGO’s, aber auch Missionen) Leute und Gelder aus dem Land zogen und somit MAF spürbar weniger Flug-Aufträge erhielt. Diese flugarme Zwischenzeit erlebten wir aber durchaus als positiv. Denn während diesem letzten Jahr konnten wir drei Monate in die madagassische Sprache investieren und uns auch persönlich und als Familie von der “tschadischen Müdigkeit“ erholen und wieder auftanken. Seit einiger Zeit nehmen die Fluganfragen wieder vermehrt zu und Ende Jahr wird sich unser Team von vier auf nur noch zwei Piloten verkleinert haben, sodass Patrick als Pilot wieder voll ausgelastet sein wird.

 

Für Olivia zeigte sich der Landeswechsel v.a. in mehr “Bewegungsfreiheit“: Die Hauptstadt Antananarivo wirkt – nach N’Djamena – recht europäisch (z.B. Kleidung). Die Leute sind sehr freundlich und die Temperaturen – im Gegensatz zum Tschad – auch ausserhalb des Hauses angenehm. Zudem sind unsere Kinder nun schon grösser und etwas selbständiger (Benaja (2); Nashya (4), schon im Kindergarten). Während sich Olivia bisher hauptsächlich um Haus und Familie sowie um die Email-Kommunikation mit unseren Freunden und Unterstützern kümmerte, kann sie sich nun langsam auch auf anderes konzentrieren. Somit stellt sich ihr nun neu die Frage: Wie und wo kann ich meine Fähigkeiten einsetzen, um anderen zu dienen? Dieses Thema beschäftigte die MAF-Frauen kürzlich in einem Gebetskreis, als sie sich mit den beiden 12. Kapiteln im 1. Korinther- und Römerbrief beschäftigten. Olivia kann sich gut vorstellen, nach unserem Heimataufenthalt (Ende Juni) in unserer madagassischen Gemeinde (IBBC: International Bible Baptist Church) die Sonntagsschule mitzugestalten, denn es gibt momentan kein richtiges Sonntagsschulangebot für die “Kleinen“ (3- bis 6-Jährige). Das wäre zudem auch das Alterssegment unserer eigenen Kinder, was sie natürlich zusätzlich motiviert (unsere Kinder nehmen momentan am madagassischen Gottesdienst nicht teil und spielen stattdessen mit anderen Kindern draussen). Olivia ist gespannt auf das Vorbereiten solcher Unterrichtseinheiten – dies ist doch etwas Anderes, als Biologie und Chemie zu unterrichten (ihr ursprünglicher Beruf) J !

 

Auch Patrick überlegt sich, wie weit er sich – neben MAF und Lobpreis-Team – noch mehr in andere Menschen investieren könnte. Jüngerschaftsschulung liegt ihm immer mehr auf dem Herzen. Denn hier (d.h. wo eigentlich nicht?) gibt es so viele “Christen“, die das eine sagen, aber etwas anderes leben! Kürzlich ergab sich auch eine kleine Gelegenheit zu predigen, als er einen madagassischen Pastor bei einem Gefängnisbesuch begleiten durfte. Etwa 60 Gefangene versammelten sich in der Gefängnis-Kapelle und Patrick gab sein persönliches Zeugnis. Sichtlich erfreut kam am Schluss ein Gefangener zu ihm, bedankte sich für den ermutigenden Besuch und verabschiedete sich mit den Worten: „Bitte komm mich wieder besuchen! Auch wenn es nur einmal pro Jahr ist – denn mir bleiben noch 10 Jahre!“

 

Bei all unserem Tun und den Plänen bezüglich Missions- und Gemeindearbeit wollen wir uns aber immer wieder daran erinnern, dass wir Gottes Kinder sind und es in erster Linie um Ihn und unsere Beziehung zu Ihm geht. Und wir wünschen uns Jesu Majestät und die Vollkommenheit Seines Werkes tiefer zu verstehen, so dass unser Wirken mehr und mehr aus diesem Staunen und tiefster Dankbarkeit heraus fliessen kann.

 

Herzlichst,

Patrick und Olivia Keller, mit Nashya & Benaja


(www.mafrika.ch)


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